Wird man zur Killerin geboren oder gemacht?
- ReadingWitch

- vor 4 Tagen
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Rezension "Lilly red Corvette" von Adrian Schmelzenbart

Die Killerin liebt es zu töten. Sie genießt den Augenblick, wenn ihren Opfern das Leben aus den Augen weicht. Schon als kleines Mädchen fielen ihr kleine Tiere und vor allem Katzen zum Opfer ihrer Mordlust. Sie pirschte sich an sie ran, wartete geduldig auf den richtigen Moment und erlegte ihre Beute mit tödlicher Präzision. So erging es auch ihrem gemeinen Großvater, der ihrer Großmutter das Leben schwer machte.
Nach dem ihre Eltern bei einem Autounfall verunglückten, lebte das Mädchen, Lilly Martens bei ihren Großeltern und als sie diese nach vielen Jahren mit mehr ertrug, kam Lilly zu ihrer Tante nach Wien. Sie wurde Elter und ihre Mordlust verlangte nach anderen Opfern. Und so erschütterte eine Serie von Morden Wien. Im Vezier der Mordenden sind ausschließlich Männer, die Frauen misshandelt oder gedemütigt haben.
Während Wiens Bevölkerung sich mit der Täterin solidarisierte, durfte die Polizei auch diese Art von Morden nicht zu lassen. Die Ermittlerin in diesem Fall ist die erfahrene Chef-Inspektorin Betty Navratil, welche unserer Lilly auf die Spur kommt, aber immer einen Augenblick zu spät zu sein scheint. Abgerundet wird der Plot von den privaten Verstrickungen zwischen Ermittlerin und Killerin.
Schon zu Beginn des Romans ist klar, wer die Mörderin ist. Doch der Autor erzeugt dennoch durch die voranschreitenden Ermittlungen und das nicht ganz zufällige Kennenlernen der Kontrahentinnen einen wunderbaren Spannungsbogen. Nach jedem Kapitel dachte ich, nun hat Betty sie erwischt und trotzdem gib die Geschichte weiter und gipfelte in einem überraschenden Ende.
Schmelzenbarts Schreibstil ist einfach und doch raffiniert. Er beschreibt Szenen sehr detailliert und klar und offenbart damit auch häufig in einem Nebensatz menschliche Abgründe und tiefgreifende Kritik an der Gesellschaft. Dabei steht das Thema Selbstjustiz und Gewalt gegen Frauen im Focus. Der Roman ist voll von schwarzem Humor und ironischer Wortspiele, welche so gekonnt platziert sind, dass die Ernsthaftigkeit des Plotts zu keinem Zeitpunkt gefährdet wurde. Ganz im Gegenteil dienen die sarkastischen Bemerkungen, gerne auch im breitesten Wienerisch, dazu, die Vernachlässigung bei Ermittlungen der Polizei bei häuslicher Gewalt und Schutz von Frauen, zu verdeutlichen. Auch Bettys innerer Kampf zwischen Gerechtigkeit für Missbrauchsopfer und der polizeilichen Pflichterfüllung trug im großen Umfang zur Spannung bei. Als Polizistin konnte sie Selbstjustiz unter keinen Umständen zulassen, doch als Frau wollte sie die Peiniger bestraft sehen. Die Anti-Heldin Lilly hingegen fühlt sich nicht als Rächerin der Frauen, stattdessen sucht sie einen Weg ihre Mordlust sinnvoll einzusetzen. Da liegt es nah keine unschuldigen Opfer auszusuchen, sondern solche die anderen Gewalt antaten und dafür nie zur Rechenschaft gezogen wurden. Sie verhilft Frauen zur Gerechtigkeit. doch in Wirklichkeit verachten sie diese für ihre Schwächen.
Beide Figuren hat der Autor authentisch gezeichnet. Sie sind in ihren Wertvorstellungen weder schwarz noch weiß, sondern voller Gegensätze und Widersprüche. Genau das macht sie so lebendig.
Von mir gibt es für diesen Roman "Lilly red Corvette" von Adrian Schmelzenbart eine klare Leseempfehlung. Ein humoristisch verfasster Krimi, der ernste Themen wie Selbstjustiz und Gewalt gegen Frauen behandelt, ohne diese ins Lächerliche zu ziehen oder als belanglos zu betrachten. Die Hauptcharaktere sind durchsetzungsstarke Frauen, die nach ihren Moralvorstellungen handeln und damit eine spannende Geschichte erzählen.







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