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Wenn die Seele nicht heilt.

Rezension "Wundbrand"

An Anfang steht eine Alltagsszene. Eine Familie will in den Urlaub fahren. Alle sind aufgeregt und genervt, das Auto ist beladen uns es kann losgehen. Doch plötzlich explodiert dieses und der Leser ist mittel drin in der Geschichte.


"Wundbrand" ist der fünfte Band aus der Reihe um Olivia Röning und Tom Stilton von den Autoren-Duo Cilla und Rolf Börjlind. Es ist wieder eine packende Geschichte über Macht, Missbrauch und Rache, die einige Schwächen aufweist. Es beschäftigt sich mit psychischen Verletzungen, die über Jahre und Jahrzehent nicht heilen und so zum emotionalen Wundbrand, der die Seele vergiftet, führen.


Wundbrand
"Wundbrand" von Cilla & Rolf Börjlind

Die Nachricht über die ermordete Familie erschüttert ganz Schweden und die erfahrene und aus den vorhergehenden Bänden bekannte Kommissarin Mette leitet die Ermittlungen in diesem Fall. Olivia und andere aus den vorhergehenden Bänden bekannten Ermittler stehen ihr zu Seite. Ein Verdächtige ist schnell gefunden und die Indizien sprechen deutlich für seine Schuld. Dach davon ist Olivia nicht überzeugt und stellt weitere Nachforschungen an. Im Laufe des Romans entwickelt sie eine Zuneigung für diese jungen Mann und setzt alles dran seine Verurteilung zu verhindern. Währenddessen befindet sich Tom Stilton mir seiner Lebensgefährtin in Thailand und versucht dort mit seiner Vergangenheit fertig zu werden. Als eine durch Verbrennungen entstellte Frau ihn drum bittet für sie einen Mann ausfindig zu machen, erwacht er aus seiner Lethargie und beginnt mit seiner Recherche.


Wie auch bei den vorhergehenden Bänden, gibt es auch hier einen spannenden Auftakt, welche den Leser sofort fesselt, ohne von der gesamten Geschichte preiszugeben. Man merkt, dass das Börjlind-Dou routinierte Autoren sind, die es verstehen einen aufregenden Plot umzusetzen. Die ersten Bücher dieser Reihe waren auch von solider Qualität, doch erscheint mir dieser Roman zu konstruiert. Insbesondere die actionreiche Darstellung Stiltons Thailand-Abenteuer erinnert stark an einen amerikanischen Blogbuster. Er legt sich mit einem Drogenbaron an, ertrinkt beinahe im Fluss und wird von einer freundlichen Frau, die zufällig dort lebt gerettet. Diese Nebenhandlung ist mit zu vielen Details gespickt, sodass der eigentliche Fall aus dem Focus rückt. Außerdem nehmen Olivias Innen- und Privatleben aus meiner Sicht zu viel Raum ein. Insgesamt ist der Schreibstil packend und flüssig, doch an einigen Stellen langatmig.


Da ich bisher alle Bände dieser Reihe gelesen habe, konnte ich miterleben, wie sich die sympathischen und authentischen Charaktere von Buch zum Buch weiterentwickelten und ich sie immer besser kennen lernte. Doch in diesem Roman lässt die Beschreibung der Personen stark nach. Alle Figuren verloren an Tiefe, da die Autoren immer wieder auf Klischees zurückgriffen und unrealistische Handlungen schilderten.


Beide Schriftsteller verarbeiten auch gerne aktuelle Themen in ihren Romanen. Sie setzten sich bereits mit Organdiebstahl, Rassismus oder auch Missbrauch auseinander. In diesem Roman wurden Aspekte aus den Bereichen Me too, Pädophilie, Schizophrenie, Schuldgefühle, Drogenhandel aufgegriffen. Diese Problematiken sind so umfangreich, dass jede für sich schon ein ganzes Buch füllen kann. Alle zusammen wirken für mich zu überladen und sehr gewollt. Das Hauptthema des seelischen Wundbrands rückt dabei oft in den Hintergrund.


Zusammenfassend kann ich sagen, dass dieser Krimi im Vergleich zu seinen Vorgängern doch an vielen Stellen schwächelt. Der spannende Schreibstil wird zwar beibehalten, aber die Geschichte ist überfrachtet und konstruiert. Vielleicht fällt das nicht auch, wenn man nur dem aktuellen Roman liest. Aber vor dem Hintergrund der ganzen Reihe gibt es von mir keine Leseempfehlung.


Autoren Wundbrand Schlaflied
Cilla & Rolf Börjlind

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