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Wo ist das Vermächtnis?

  • Autorenbild: ReadingWitch
    ReadingWitch
  • vor 22 Stunden
  • 2 Min. Lesezeit

Rezension "Babas Vermächtnis"


Babas Vermächtnis
"Babas Vermächtnis" von Michael Hetzner

Da lag es vor mir. Ein Buch mit grau-rotem Umschlag. Auf der oberen Hälfte ist schmucklos der Titel abgedruckt und die untere Hälfte ziert ein charakteristischer Stern mit Hammer und Sichel. Bei diesem Anblick war mein erster Gedanke, dass sich dieser Roman mit Russlands UdSSR-Vergangenheit auseinandersetzt. Auch der Titel, welcher von einem Vermächtnis einer Person spricht, die die Zeit der UdSSR erlebt haben könnte. Doch weit gefehlt. Mein erster Eindruck war falsch.


Michael Hetzner beschreibt in seinem Roman nicht die Ausläufe einer vergangenen Staatsform, sondern das Leben der jungen Swetlana. Sie ist Schülerin an einem Gymnasium und lebt mit ihren Eltern im Villenviertel von Hamburg. Das spannende daran ist, dass sie die Nichte des russischen Präsidenten ist. Swetlana ist reich, jung, wunderschön und sehr klug. Doch trotzdem ist ihr erklärtes Ziel, ihren Seelenverwandten zu finden. Dabei bezieht sie sich immer wieder auf Das Vermächtnis ihrer Großmutter (Baba), die das Mädchen aufgrund von handlungsunfähigen Eltern, aufgezogen hat. Swetlanas Mutter lebt von Alkohol und Affären und ihr Vater ist ein gescheiterter Künstler. Die Geschichte nimmt ihren Lauf, als Swetlana sich in ihren neuen Mitschüler verliebt und alles dransetzt um ihn zu erobern. Der Versuch den jungen Mann, der sich scheinbar nur für Mathematik interessiert und ihre Reize übersieht, zu beeindrucken, führt die Beiden nach Sankt Petersburg. Dort überschlagen sich die Ereignisse. Die holprige Romanze führt zu einer aktionsreichen Verfolgung durch die Stadt und endet mit der Lüftung eines lang gehüteten Familiengeheimnisses.


Diese Geschichte wird vom Autor in einem unterhaltsamen und mitreißenden Schreibstil verpackt. Mein Interesse am Ausgang dieses Romans war durchgehend vorhanden. Trotzdem haben mich die Charaktere nicht wirklich überzeugt. Persönlichkeiten und Handlungsmotive waren sehr oberflächlich dargestellt. Hetzner hat zwar versucht der Hauptfigur Swetlana charakterliche Tiefe zu verleihen, indem er immer wieder die von ihrer Oma so geliebten Verse von Anna Achmatowa zitiert und auf das überlieferte Vermächtnis hinweist, allerdings ist das Ergebnis nur eine Ansammlung an Klischees, welche die russische Mentalität nicht einzufangen vermag.


Dieses Buch ist eine humorvolle Erzählung einer Girl-meets-Boy Geschichte in russischen Verhältnissen, die von deutschen Vorurteilen überlagert wird. Ein reiche junge Frau sucht auf die russische Art und Weise ihre große Liebe. Wenn man den Titel und das Cover ausblendet, ist es amüsant Swetlanas Blick auf die Welt und die Liebe zu verfolgen. Doch der Titel hat Tiefgründigkeit versprochen und ich habe auf spannende und weitreichende Enthüllungen gehofft. Es ist ein witziger Roman, doch die russische Seele mit all ihren Fassetten wird darin nicht erfasst. Deshalb gibt es von mir nur eine eingeschränkte Leseempfehlung. Wer einfache, aber mitreißende Liebesgeschichten mag, wird hier sicherlich auf seine Kosten kommen. Wer aber von dem Hintergrund des Umschlags eine gehaltvolle Aufarbeitung russischer Vergangenheit erwartet, sollte lieber die Finger davon lassen. Man sollte ein Buch nie nach seinem Umschlag beurteilen.



Swetlana

 

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