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"Gesegnet sei die Frucht"


Rezension "Der Report der Magd"

Selbstbestimmung, Menschenrechte und Meinungsfreiheit sind Grundpfeiler unserer Gesellschaft und ein selbsverständlicher Teil unseres Lebens. Aber was passiert mit unserer Gesellschaft, wenn Selbstbestimmung und Meinungsfreiheit ein Verbrechen sind und bestrafft werden? Wie sieht das Leben aus, wenn nicht jeder Mensch gleich behandelt wird und Menschenrechte faktisch nicht existieren?


Margaret Atwood lässt in ihrem Roman "Der Report der Magd" diese alptraumhafte Vorstellung wahr werden. Sie beschtreibt einen totalitären, theokratischen Staat, Gilead genannt, der auf dem Gebiet der USA nach einer Revolution entsteht. In diesem Staat werden Menschen, und Frauen im Besonderen, im Namen der Bibel unterdrückt. Andersdenkende werden nicht akzeptiert. Jedem ist eine Aufgabe zugewiesen, und ein Ausbrechen aus dem durch den religiosen Fanatismus vorgegebenen Rahmen wird in der Regel mit dem Tod bestraft. Dabei war ich immer wieder erschrocken über das unmenschliche Verhalten der Menschen untereinander.


Aufgrund von Umweltverschmutzung und Krankheiten ist ein Großteil der Bevölkerung unfruchtbar geworden. Somit werden fruchtbare Frauen nur auf diese Fähigkeit reduziert und müssen entsprechend des Alten Testaments für unfruchtbare Ehefrauen Kinder gebären. Sie werden, in Analogie zur biblischen Geschichte von Jakob, Rahel und Bilha, Mägde genannt. Eine dieser Mägde ist die Protagonistin des Romans. Sie wird Desfred genannt, weil sie einem Fred und seiner Frau gehört und damit zeigt Atwood direkt die perfide Behandlung der Frauen in dieser dytopischen Welt. Sie sind nichts weiter als Gebärmaschinen, die sich zu fügen haben.


Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Desfred erzählt. Ihren richtigen Namen will sie zunächst dem Leser nicht verraten. Sie erzählt von ihrem langweiligen und eintönigen Alltag, beschreibt ihn manchmal bis ins kleinste Detail. Das wirkt im ersten Moment ein wenig naiv, doch bei genauer Betrachtung hatten diese Passagen etwas Verzweifeltes. Denn außerhalb ihrer Gedankenwelt hatte Desfred keine Freiheiten mehr. In ihrem Bericht errinnert sich Desfred an ihr früheres Leben mit Mann und Kind. Sie erzählt auch über die Revolution und ihre Umerziehung zur Magd im "Roten Zentrum".


Dem Leser werden auf diese Weise wie nebenbei die erschütternden Ereignisse, die Desfreds Alltag prägen, offenbart und damit deren Auswegslosigkeit spürbar gemacht. Es gab Passagen, die ich nicht einfach in einem Rutsch lesen konnte. Sie waren so aufwühlend ohne dabei effekthaschend zu sein.


Mit ihrem intelegenten und pregnaten Schreibstil erschafft Margaret Atwoot eine beklämmende Atmosphäre voller Angst. Sie baut spannung auf indem sie Desfred immer wieder kleine Übertretungen der Gesetze machen lässt. Allerdings sind bildgewaltige Actionen nicht Schwerpunkt dieses Romans. Es ist ehe die stille Panik davor, dass das geschielderte Szenario Realität werden kann. Desfred wird als eine kluge und gebildete Frau beschrieben, doch ihre Bildung nutzte ihr nichts. Und auch wenn Gilead fektiv ist, wirkte es auf mich sehr bedrohlich.


Fazit

Es ist ein Roman, der lange im Gedächnis bleibt. Obwohl das Buch bereits in den 80ern geschrieben wurde, ist es aktueller denn je. Klimaschutz und Krankheiten sind im Moment sehr brisante Themen, ebenso wie Meinungsfreiheit und Selbsbestimmung.



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