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Sophies Welt in einem parallelen Universum

Aktualisiert: 7. Apr.

Rezension "Die Tyrannei des Schmetterlings"


Mit großen Erwartungen bin ich in das Buch gestartet und wurde schon nach wenigen Seiten enttäuscht. Was ist nur aus den flüssigen Schreibstil aus "Der Schwarm" und "Limit " geworden. Wo kommen denn diese ganzen verschachtelten Sätze her? Und was soll dieses ganze philosophische Gerede?


Ich bin ein großer Fan von Frank Schätzig und habe seine Bücher mit Freude verschlungen. Mir gefiel besonders, dass er wissenschaftlich-technische Ansätze mit Leichtigkeit erklärte und diese dabei unauffällig und auch unaufdringlich in einer spannenden Geschichte unterbrachte. Schätzings Schreibstill war dabei einfach und flüssig. Als Leser konnte man in seine Romane eintauchen und die meist sehr lange und komplexe Story miterleben. Den Spannungsbogen konnte er problemlos über hunderte von Seiten aufrechterhalten. Die Plots seiner bisherigen Romane sind immer vielschichtig, aber nie verworren. Schätzing ist bekannt dafür, dass er meistens aktuelle, brisante und hochinteressante Themen aussucht und diese dann in einer fiktiven Geschichte rund um wunderbare und lebendige Charaktere verpackt. Für mich war es ein Genuss seine Bücher zu lesen.


Vor diesem Hintergrund kaufte ich mir das neueste Werk "Die Tyrannei des Schmetterlings" ohne Rezensionen oder andere Bewertungen gelesen zu haben. Auf Grund der bereits gelesenen Roman habe ich die gewohnte Qualität erwartet und war gespannt, in welche Richtung die Story diesmal geht. Und auch diesmal hat sich Schätzig ein aufregendes und umfangreiches Thema ausgesucht. Es geht um künstliche Intelligenz und Quantentechnik. In Sierra Nevada wird eine Frauenleiche gefunden. Die Ermittlungen führen zur HighTech-Firma Nordvisk und zu deren Super-Computer ARES, der mich sehr stark an eine bekannte Internet-Suchmaschine erinnert. Als der ermittelnde Sheriff Luther den Hintergründen der Sache zu nah auf die Spur kommt, sorgen die Verantwortlichen dafür, dass er über eine geheimnisvolle "Brücke" in ein Parallel-Universum gerät....


Soweit - so gut, das gewählte Thema finde ich persönlich interessant und vielfaltig. Schätzig ist dafür bekannt, dass er im Vorfeld seiner Romane akribische Recherche betreibt und diese Informationen in seinen Büchern leicht verständlich und mitreißend verarbeitet. Allerdings wirkt dieser Roman sehr gekünstelt und überladen auf mich. Schätzigs Schreibstil weicht vom bisher Bekannten ab. Die Sätze sind teilweise sehr lang und verschachtelt. Die einzelnen Szenen werden über Seiten bis ins kleinste Detail beschrieben, so dass ich irgendwann anfing diese Beschreibungen einfach zu überspringen, um nicht direkt einzuschlafen. Die Formulierungen sind sehr philosophisch und mit Adjektiven überfrachtet. Beim Lesen hatte ich oft das Gefühl in einem Nebel zu sein und die Handlung des Romans durch einen Schleier zu erleben. Als störend empfand ich auch, dass diese philosophischen Monologe manchmal das eigentliche Geschähen unterbrachen und so für Verwirrung sorgten.


Die einzelnen Figuren und der Protagonist der Geschichte werden von Schätzig detailliert beschrieben. Die Einzelheiten ihrer Biografien erklären nachvollziehbar ihr Handeln. Trotzdem wirkten diese Charaktere auf mich nicht sonderlich lebendig, sondern eindimensional. Die Hauptfigur Luther Opoku, der zu Begin aufgrund seiner Durchschnittlichkeit authentisch und sympathisch erscheint, nervt irgendwann mit seinem gefühlsduseligen Innenleben und seiner Moral. Auch mit den anderen Figuren wurde ich nicht richtig warm.


Der Geschichte selbst ist langatmig und enthält einige logische Fehler. Erst ab der Hälfte des 728 Seiten langen Romans nimmt die Erzählung etwas Fahrt auf. Es entsteht sowas wie ein Spannungsbogen, welcher leider nicht lange gehalten wird, weil der Autor immer wieder in philosophische Betrachtungen abweicht. Anstatt die Geschichte voranzutreiben, erhebt Frank Schätzig den mahnenden Zeigefinger. Er beschäftigt sich mit den Fragen „Was ist menschlich oder was einen Menschen ausmacht?“ und „Wie geht man mit einer Superintelligenz um?“. Und schürt damit die „German-Angst“ vor dem Ungewissen. Überaschen war der Schluss, der mit vielen Explosionen und Toten Schätzigs literarisches Niveau verlässt und seht stark an einen amerikanischen Blockbuster erinnert.


Zusammenfassend gibt es von mir für diesen Roman keine Leseempfehlung. Trotz des spannenden Grundthemas, hatte ich durchgehend das Gefühl, dass Herrn Schätzig der Ruhm zu Kopf gestiegen ist und er in seiner Eitelkeit unbedingt tiefgründig sein wollte.

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