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(Über-)Leben im Lockdown I

Aktualisiert: März 21

Der Rückblick auf eine außergewöhnliche Zeit - oder wie haben wir es nur überstanden.


Nun geht der zweite Lockdown mit den ersten Lockerungen zu Ende. Seit einem Jahr herrscht Ausnahmezustand und das Leben hat sich für uns alle verändert. Wahrscheinlich wird es auch nicht mehr so sein, wie es vor Corona war...


Ein Jahr voller Veränderungen, dass uns noch lange in Erinnerung bleibt. Denn dieses Jahr war für uns als Familie sehr dynamisch und ereignisreich. Während die Außenwelt mit jeder Schließung für uns immer weiter in den Hintergrund rutschte und sogar den voller Freude erwarteten Sommerurlaub unmöglich erscheinen ließ, wurde unser Familienleben torbulent.


Zeitgleich mit der Pandemie kam unsere große Tochter im letzten Frühling in die gefürchtete Pubertät und randalierte zu Hause was das Zeug hält. Mein kleiner Engel mutierte in kuzer Zeit zu einem Kaktus, sodass ich sie nicht mehr erkannt habe. Egal was ich machte, es war entweder einfach nur falsch oder megapeinlich. Im günstigsten Fall wurden meine Kommunikationsversuche nur mit Augenrollen quittiert oder wenn die Laune kippte, mit einer knallenden Tür. Ich, selbsternannte Mama des Jahres (Ironie off), konnte das Leben des Pubertiers noch vor dem Frühstück bereit mindestens drei Mal ruinieren. Da die Schulen zu hatten, haben Mama und Papa auch die volle Bandbreite der Hormone ohne Gnade abbekommen. Hitzige Diskussionen und Streitereien über Hilfe im Haushalt und die Nutzung eines Handys waren an der Tagesordnung. Es ist aber auch ein Unding von mir zu erwarten, dass das Pubertier die Spülmaschine ausräumt oder den Tisch deckt. Es will doch nur mit seinen Freunden chatten. Und ich, das Mamamonster, kann die Küche jawohl selbst machen. Bin ja schließlich im Homeoffice...



Nicht nur das launische Pubertier raubte mir den letzten Nerv, sondern auch der trotzige Zweijährige. Wer hätte denn gedacht, dass eine einfache Toastscheibe, die von mir fahrlässigerweise nicht korrekt durchgeschnitten wurde, zu einem Drama führen konnte. Allternativ war es auch mal der falsche Becher oder einfach nur ein T-shirt. Unser Sohn stürzte durch mein unbedachtes Handeln von einer Brüllattacke in die Nächste. Außerdem hat der kleine Mann YouTube für sich entdeckt und wollte immerzu die Feuerwehr sehen. Natürlich durfte er das, damit Mami arbeiten und sich ganz viele Vorwürfe über die pädagogisch katastrophale Beschäftigung ihres Sohnes machen konnte.


Gefühlt verbrachte ich zu viel Zeit in der Küche, da dieser Raum für mich mein Büro war und gleichzeitig die zentrale Verköstigungsstelle der gesamten Familie. Die Versorgung lag natürlich in meiner Hand. Ich fühlte mich zurück versetzt in die 50er Jahre, nur dass ich nebenher noch arbeiten durfte.... Mein Mann hatte sich im Nebengebäude sein Büro eingerichtet. Denn er kann bei dem Chaos ja sonst nicht arbeiten.



Und weil das alles nicht genug war, kündigte sich weiterer Nachwuchs an. Im ersten Lockdown wußten wir, dass wir bald zu fünft sind. Es sollte ein Mädchen werden. Alle haben sich gefreut und der Name stand auch schnell fest. Das Problem war nur, dass der Platz bei uns in der Wohnung begrenzt ist und während der Pandemie gefühlt noch weiter geschrumpft ist. Unser Projekt von einem Neubau wurde allerdings schon seit Monaten von der Baubehörde ausgebremst. Das bereitete meinem Mann jetzt nach der frohen Botschaft über erneuten Zuwachs schlaflose Nächte und graue Haare. Dabei hat er doch so schöne Haare.


Jeden Tag warteten wir voller Sehnsucht darauf, dass endlich die Öffnung der Schulen und Kindergärten verkündet wurde. Doch nichts dergleichen geschah. So vergingen die Tage umrahmt von Stress und Unordnung einer vier- (bald fünf-) köpfigen Familie. Meine Tochter und ich, zwei starköpfige Weibchen unter Einfluß von kriegstreiberischen Hormonen, versuchten den Tag zu überstehen. Und mein Kleiner lernte den Computer zu bedienen.


Doch auch für uns ging die Sonne wieder auf, als endlich die Meldung kam, dass die Schulen öffnen und nicht nur das. Mit den rückläufigen Infektionszahlen wuchs unsere Hoffnung auf einen schönen Sommerurlaub. Endlich ans Meer...






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