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Das Spiel des Schicksals


Rezension "Liebe machen"

Diesen Roman zu lesen ist wie eine Zeitreise durch die deutsche Kultur- und Musikgeschichte von 1970 bis heute. Der Leser erlebt das gefloppte Love and Peace Festival auf Fehmann, bei dem legendäre Bands wie Ton Steine Scherben ihren Anfang fanden und Jimmy Hendrix sein letztes Konzert gab, die Anfänge der LoveParade in Berlin sowie ein Rundgang über das Oktoberfest.


"Liebe machen" von Moses Wolff beschreibt in zwei Erzählstränden des Leben von Dagmar und Götz, die sich bei einer zufäligen Begegnung auf dem Oktoberfest verlieben und doch nicht zu einander finden. Sie werden als junge Erwachsene 1970 dem Leser vorgestellt und man erlebt ihren Werdegang durch die Jahrzehnte. Immer wieder begegnen sich die beiden, ohne sich badei zu erkennen und finden in ihren besten Jahren nicht zu einander. Denoch führen sie jeweil ein aufregendes Leben. Dagmar ist eine erfolgreiche Journalistin und schreibt über Musik und Kultur für namhafte deutsche Zeitungen und Götz ist bei einer Reiseagentur angestellt. Er führt ein freies Leben und genießt es neue Orte zu entdecken. Ihre Wege lässt der Autor immer wieder an unterschiedlichen Orten geschickt kreuzen. So dass beim Leser die Hoffnung auftaucht, dass sich die zwei Protagonisten endlich begegnen, doch es soll nicht sein. Damit schafft es Moses Wolff die Spannugskurve oben zu halten.


Die Schilderungen der Orte und Ereignisse sind dabei so lebendig wie sie simpel sind. Die Schreibweise des Autors ist sehr packend und doch einfach gehalten. Die Sätze sind nicht überladen, so dass Gefühle und Emotionen glaubwürdig und anschaulich rübergebracht werden. Durch diese nachvollziehbaren Schreibstill wird der Leser förmlich in die Geschichte gezogen. Dieser Effekt wird durch die durchweg sympatischen und liebenswürdigen Charaktäre verstärkt. Immer wieder kann der Leser an ihrer Gedankenwelt Teil haben und fiebert so mit durch die Geschichte.


Die Beschreibung des Schlüsselmoments auf dem Oktoberfest, bei dem sich Dagmar und Götz bewusst begegnen, ist dem Autor überaus gelungen. Dieser magische Augenblick lässt den Leser Schmettlinge im Bauch spürren und zeigt deutlich, dass Liebe in diesem Buch keiner großen Worte bedarf.


Etwas Schade fand ich, dass die Erzälung über die beiden Protagonisten parallel zum Fortschreiten der Geschichte immer kürzer wurden. Die Reise durch die Zeit wurde zu schnell und die Verbindung zu den Charakteren ging zurück. Das erweckte den Eindruck, dass der Autor die Geschichte einfach zum Ende bringen wollte.

Zum Schluss holt die Vergangenheit die Zukunft ein und wir befinden uns im September 2020. Ohne Maskenpflicht geht diese Geschichte zu Ende und weicht damit zum ersten Mal von realen Ereignissen an. Ist im ersten Moment nach den Geschähenissen der letzten Monate etwas surreal. Zeigt aber auch, dass es noch Wunderschöne Momente außerhalb der Maskenpflicht und des Sicherheitabstandes gibt.


Fazit

Dieser Roman ist die perfekte Lektüre für laue Sommeranbende. Leicht und beschwingt entwickelt sich die Geschichte. "Lebe im Moment" ist die Botschaft, die Dagmar und Götz durch die Jahrzehnte doch zu einander brachte.


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