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Familienzeit in Brügge

  • Autorenbild: ReadingWitch
    ReadingWitch
  • vor 10 Stunden
  • 5 Min. Lesezeit

Ein Trip zwischen Schokolade und dem II Weltkrieg


Brügge
Brügge

Ein langes Wochenende stand an und wir wollten etwas sehen. Also die ganze Familie. Also haben wir uns eine schöne Stadt ausgesucht, das Hotel gebucht und sind aufgebrochen, um Neues zu entdecken. Wir sind eine fünfköpfige Familie, in der jeder andere Interessen hat. Wichtig ist für uns, dass auch bei einem Kurztrip keiner zu kurz kommt. So wurde nach einiger Recherche die zeitlose Stadt Brügge zu unserem Ziel. Diese Stadt verzaubert kleine Kinder mit den märchenhaften kleinen Häusern und den wunderschönen schlossartigen Bauten, shoppingaffine Teenager erwarten viele Einkaufsmöglichkeiten und Eltern können sich entspannt in der besonderen Atmosphäre dieses Orts verlieren. Und ganz wichtig für die Entscheidung war die viele Schokolade, die wir alle lieben ...


Da wir uns dazu sehr kurzfristig entschieden haben, fanden wir im Zentrum von Brügge kein geeignetes Hotel und musste auf der Suche nach einer Unterkunft auf das Umland ausweichen. Wir landeten in einem gemütlichen Hotel in Zeebrugge nicht weit von der Strandpromenade.


Zeebrugge
Zeebrugge

Der Duft von Geschichte und Schokolade

Brügge ist eine historische Stadt, die ihren Ursprung im zweiten und dritten Jahrhundert in einer gallo-römischen Siedlung hat. Die Bewohner dieser Siedlung betrieben schon damals Handel mit anderen Dörfern. Über viele Jahrhunderte hinweg wurden die Handelsverbindungen immer weiter ausgebaut, sodass Brügge eines der Zentren der Textilindustrie und des Fernhandels in Europa wurde und damit zu einer der wirtschaftlich und kulturell reichsten Städte im damaligen Europa aufstieg. Und diesen Reichtum kann man heute immer noch bestaunen.


Wir reisten mit dem Auto abends an und konnten problemlos einchecken und unsere Juniorsuite (wir waren zu fünft) beziehen. Für eine Erkundung der Umgebung war es für uns und die Kinder bereits zu spät, aber den Hotelpool konnten wir noch ausprobieren.



Am nächsten Morgen ging es los. Nach einem ausgiebigen Frühstück im Hotel machten wir uns auf den Weg Brügge kennenzulernen. Wir parkten in einem Parkhaus nahe der Altstadt und erkundeten diese von dort aus zu Fuß. Wir schlenderten durch die Stadt vorbei an der St.-Salvator-Kathedrale und an unzähligen kleinen Läden bis wir auf dem beeindruckenden Grote Markt (Marktplatz) landeten. Dieser vereint gleich mehrere Sehenswürdigkeiten. Da wäre z. B. das Historium, der Provinzialpalast, zahlreiche Bürgerhäuser, die alle mit ihren Schmuckgiebeln und das Wahrzeichen der Stadt - der Belfried. Doch unser Ziel war das Schokoladenmuseum von Brügge. Das Choco-Story, The Chocolate Museum befindet sich nicht weit vom Marktplatz und lässt die Geschichte der Schokolade für Groß und Klein lebendig werden. Das Museum bietet eine sensorische Reise (in vielen Sprachen) durch die Zeit, bei der wir die Schokolade hören, sehen, riechen und vor allem auch schmecken konnten. Und ich habe sehr viel und sehr oft geschmeckt. Außerdem konnten wir viele interessante Exponate, die zur Herstellung dieser köstlichen Versuchung notwendig waren, bestaunen sowie überdimensionale Osterhasen und Weihnachtsmänner.



Die ganze Nascherei machte die Familie hungrig und wir beschlossen uns ein Restaurant mir Aussicht zu gönnen. Der Marktplatz hatte auch da viel zu bieten. Wir wählten ein Lokal mir Blick auf den Provinzialpalast, aßen Burger und Pasta und tranken belgisches Bier. Nachdem wir gesättigt sämtliche Highlights um uns fotografiert hatte, wollten wir uns den Belfried genauer ansehen. Der im 134. Jahrhundert erbaute 83 m hohe Turm sollte die Macht des selbstbewussten reichen Bürgertums demonstrieren und diente außerdem als Brandwache. Leider konnten wir diesen Turm nicht erklimmen, weil wir es versäumten die Tickets online im Voraus zu buchen. Doch auch von unten ist der Belfried ein ausgesprochen beeindruckendes Bauwerk. Doch die Aussicht von oben auf die gesamte Stadt hätte uns ebenso gefallen. Also weiter. In dieser Stadt kann man noch mehr zu erleben.


Wir schlenderten zum Hof Arents, einem kleinen Park, in dem viele Skulpturen zu finden sind. Uns hat besonders der Arentshof Pavillon gefallen. Weiter gings über die Bonifatius-Brücke an der Onze-Lieve-Vrouwekerk (Liebfrauenkirche) vorbei Richtung Begijnhof. Es ist eine für ihre weißgetünchten kleinen Häuser, in den Nonen hausten, bekannt. Dieser Ort vermittelt Ruhe und Frieden. Und in ihrer Begeisterung über den Park, störten meine Kinder diesen. Also führte uns unser Weg zurück ins Zentrum und da besonders die Füßchen der Kleinsten müde wurden, auch zurück zum Auto.



Am nächsten Tag machten wir dort weiter, wo wir zuvor aufgehört hatten. Doch diesmal wollten wir die hübschen Backsteinbauten vom Wasser aus bestaunen. Brügge wird von vielen Kanälen und Wasserläufen durchzogen. Diese werden Reien genannt. Diese Rein führen durch die gesamte Altstadt und eine Bootstour darauf bietet die Möglichkeit die Stadt aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Der Rozenhoedkaai (Rosenkranzkai), von dem aus man den Ausblick auf das am meisten fotografirte Motiv Brüggens hat, bildet den Ausgangspunk für die Fahrt. Vor dort aus schippert man gemütlich durch die Kanäle an mit Efeu bewachsenen historischen Häusern und malerisch ins Wasser hängenden Trauerweiden vorbei, während einem der Bootsführer die Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten dieser bezaubernden Stadt erklärt. Anschließend meldete sich bei uns der Hunger und kehrten in der Brasserie Rozenhoedkaai ein und genossen unser Essen auch hier wieder mit Aussicht.


Rosenkranzkai
Rosenkranzkai

Den Nachmittag verbrachten wir an der Strandpromenade von Zeebrugge, auch Zeedijk genannt. Der sehr breite Sandstrand ist hier von Restaurants, Strandbars und Cafés gesäumt, die zum Verweilen mit Meeresblick einladen. Immer wieder gibt es auch Spielplätze und Spielgeräte für Kinder. Und am frühen Abend erwartete uns ein ganz besonderes Schauspiel: Die Flut. Da wir das in der Intensität noch nicht erlebt hatten, waren die Kinder fasziniert von diesem Naturschauspiel. Wir liefen über das Wattenmeer und machten unendlich viele Fotos.



II. Weltkrieg - Vergangenheit und doch so präsent

Für den letzten Tag hatten wir einen ganz besonderen Programmpunkt geplant. Wir wollten die Nähe zu Frankreich nutzen, um die aus dem 2. Weltkrieg bekannte Stadt Dunkerque zu besichtigen. Im Mai und Juni 1940 fand die berühmte Schlacht um Dünkirchen statt. Die deutsche Wehrmacht hatte die alliierten Soldaten in der nordfranzösischen Stadt eingekesselt. Es kam zu Massakern, die an Soldaten und Zivilisten verübt wurden. Doch mit der Operation Dynamo auch das "Wunder von Dünkirchen" genannt, konnten über den Ärmelkanal mehr als 300.000 britische und französische Soldaten gerettet werden. Zum Gedenken an diese Schlachten und die zahlreichen Opfer befindet sich in dieser Stadt ein Museum, das Museum Dunkerque 1940 Operation Dynamo, welches einen bedrückend guten Eindruck über die Abläufe dieser Tage vermittelt. Wir waren tief beeindruckt und sehr berührt davon.



Anschließend wollten die Kinder zum Strand. Also steuerten wir den Plage de Leffrinckoucke, einen wunderschönen Sandstrand in der Nähe des Fort des Dunes, welches mit seinen Anlagen und Bunkern eine tragende Rolle bei der Operation Dynamo spielte, an. Makaber waren auch die Schilder, die vor gesunkenen Schiffen warnten. Diese Kriegsbunker vor dem Hintergrund des malerischen Strandes mit spielenden Kindern erweckten ein surreales Bild, was lange in Erinnerung bleibt.



Nach drei traumhaften Tagen in der Hauptstadt der Provinz Westflandern und einem Abstecher nach Frankreich, sind wir voller Eindrücke und Erinnerungen heimgekehrt. Es war ein abwechslungsreiches Wochenende, das für jeden was zu bieten hatte. Wir haben neuer Erfahrungen gesammelt und jede Menge Fotos gemacht. Trotzdem hat die Stadt noch viel mehr zu besichtigen, so dass uns für alles die Zeit wie immer nicht reichte. Besonders eindrucksvoll war für mich das Essen, denn hier gab es an jeder Ecke belgische Waffeln, Pommes Frites und unglaublich viel Schokolade in jeder Form.



1 Kommentar


Sabine aus dem Mausloch
vor 9 Stunden

Brügge ist ja richtig hübsch! Was für eine zauberhafte Stadt, das war ein tolles Wochenende für euch!

Ich mag diese schönen, alten Bauten sehr und dieses Museum wäre auch das Richtig für mich gewesen. Geschichte vermischt mit schöner Architektur, Strand und vor allem Schokolade - klasse!

Wäre Brügge nicht so arg weit weg von Nürnberg, würde ich da auch mal einen Abstecher hin machen.

Ein schöner Beitrag! 😊


Liebe Grüße

Sabine

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