Frauenverachtung im Alltag
- ReadingWitch

- vor 3 Tagen
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Aktualisiert: vor 2 Tagen
Der Aufruf zu einer Blogparade von VON-EINFACH-MAL-SELBST-GEDACHT inspirierte mich dazu, meine Gedanken zu diesem Thema aufs Papier zu bringen. Der Umgang mit uns Frauen im Alltag und in unserer Gesellschaft ist ein sehr umfangreiches Thema, mit dem ganze Bücherregale gefüllt werden. Der Alltag von uns allen sieht bestimmt ähnlich aus: Morgens aufstehen, arbeiten, danach Haushalt erledigen und Kinder betreuen und dann endlich schlafen. So hat man das früher bei seinen Eltern gesehen und lebt es so weiter.
Schnell wird dabei übersehen oder auch ignoriert, dass das Erledigen der Aufgaben im Haushalt und die Betreuung und Erziehung der Kinder (Care-Arbeit) das Fundament unserer Gesellschaft. Care-Arbeit umfasst die unbezahlte und oft unsichtbare Arbeit, die notwendig ist, um Familien und Gemeinschaften am Laufen zu halten. Doch trotz ihrer zentralen Bedeutung werden diese Tätigkeiten meist nur von Frauen geleistet und bleiben weitgehend ungeschätzt. Diese mangelnde Wertschätzung führt zu einer Form von Frauenverachtung im Alltag, die sich tief in das Leben vieler Frauen eingräbt. Warum wird Care-Arbeit so selten anerkannt? Und wie wirkt sich das auf das Leben von uns Frauen aus?

Care-Arbeit ist oft unbezahlte Arbeit. Wir verbringen durchschnittlich mehrere Stunden täglich mit Aufgaben wie Kochen, Putzen, Kinderbetreuung oder der Pflege von Angehörigen. Diese Tätigkeiten, die sowohl Fachwissen erfordern als auch viel Lebenszeit beanspruchen, sind entscheidend für das Funktionieren von Familien und Gesellschaften. Dennoch werden sie häufig nicht als „richtige Arbeit“ angesehen. Dies führt dazu, dass wir Frauen für unsere Leistungen weder finanziell noch gesellschaftlich angemessen gewürdigt werden. Dies kann als Ausbeutung betrachtet werden.
In vielen Haushalten übernehmen Frauen den Großteil der Hausarbeit, selbst wenn sie berufstätig sind. Studien zeigen, dass Frauen weltweit etwa doppelt so viel Zeit mit unbezahlter Care-Arbeit verbringen wie Männer. Diese Doppelbelastung führt zu Erschöpfung, Stress und weniger Zeit für eigene Interessen oder Karrierechancen. Wenn Frauen dies ändern wollen und Unterstützung einfordern, stößt dies selten auf Verständnis, sondern führt zur Abwertung der Tätigkeit. "Das bisschen Haushalt!"
Die mangelnde Wertschätzung von Care-Arbeit ist eng mit traditionellen Rollenbildern verbunden. Frauen werden oft als natürliche „Betreuerinnen“ gesehen, die diese Arbeit aus Liebe oder Pflichtgefühl erledigen, nicht aber als echte Leistung, die Respekt verdient. Männer hingegen werden schon für kleinere Erledigungen gefeiert, als wäre es eine besondere Leistung. Diese Abwertung wirkt sich nicht nur auf das Selbstwertgefühl aus, sondern hat auch finanzielle Folgen. Frauen haben oft geringere Rentenansprüche, weil unbezahlte Care-Arbeit nicht in die Sozialversicherungssysteme einfließt. Zudem erschwert die Doppelbelastung den Zugang zu Weiterbildung oder beruflichem Aufstieg. Und es fehlt an Zeit für persönliche Interessen. Und, nein- das hat man sich so nicht selbst ausgesucht. Es ist ein gesellschaftliches Konstrukt, welches man als Frau nur dann umgehen kann, wenn man auf eine eigene Familie verzichtet. Und auch dafür wird sie kritisiert und verachtet.

Care-Arbeit ist keine private Angelegenheit, sondern ein gesellschaftliches Thema. Wenn wir Frauen in dieser Arbeit übersehen und entwertet werden, leidet die ganze Gesellschaft. Die Qualität von Pflege, Erziehung und Zusammenleben hängt davon ab, wie wir diese Arbeit würdigen und unterstützen. Jeder kann dazu beitragen, die unsichtbare Last sichtbar zu machen. Ob durch Anerkennung im eigenen Umfeld, Unterstützung von politischen Initiativen oder das Teilen von Verantwortung im Haushalt – kleine Schritte führen zu mehr Gerechtigkeit und weniger Frauenverachtung im Alltag.
Vielen Dank an Daira Bär von VON-EINFACH-MAL-SELBST-GEDACHT für die Idee und die Umsetzung dieser Blogparade. Wenn ihr an weiteren Posts und Gedanken zu diesem Wichtigen Thema interessiert seid, folgt einfach dem Link. Jeder, der frauenverachtendes Verhalten toleriert, macht sich mit schuldig.



Hallo, ein wunderbarer Artikel. Ich danke Dir für die Teilnahme. Ich mag Deine Art zu formulieren und die Dinge auf den Punkt zu bringen. Egal ob eine Rezension oder dieser Beitrag. Knallhart, ehrlich und direkt. Einfach Klasse. Ganz liebes Danke. Liebe Grüße Daira