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Wie immer trügt der Schein

Autorenbild: ReadingWitch
ReadingWitch
vor 32 Minuten
2 Min. Lesezeit
Rezension "Schierling und Gin Tonic" von Elvira Nüchtern

Gin Tonic
Schierling und Gin Tonic

Nach einem spannenden und rätselhaften Prolog steigen wir direkt in die Geschichte ein. Wir befinden uns im beschaulichen Markgräflerland und der Bruder von Martha Marthaler, Oliver wird aus heiterem Himmel mit Schierling vergiftet. War das ein Unfall oder gar Mord? Und wer steckt dahinter?


Bevor wir die tüchtige Ermittlerin Irene Katz kennen lernen und bei ihrer Arbeit begleiten dürfen, werden alle beteiligten Personen und ihre Lebensrealitäten vorgestellt. Wir erfahren, was sie fühlen und was sie antreibt. Und auch wie die ganzen Figuren um das Opfer herum miteinander zusammenhängen. Etwa ab der Hälfte des Romans nimmt die Polizei die Ermittlungen auf und dann überschlagen sich die Ereignisse. Es beginnt ein Wettlauf um die Zeit.


Ein Opfer, aber ganz viele Verdächtige mit einem gewichtigen Motiv. Oliver wird von der Autorin als nicht sonderlich sympathisch beschrieben. Seine Vorstellungen und Bedürfnisse stehen über allem und er handelt manipulativ und ungerecht, um diese auch durchzusetzen. Er ging sogar so weit, seine Schwester aus ihrem Haus zu schmeißen und dieses zu verkaufen. Über seinen Tod sind die Angehörigen zwar entsetzt, aber nicht alle trauern wirklich.


Interessanterweise nahmen in dem Roman die Themen Kinderbetreuung und gerechte Aufteilung der Care-Arbeit einen großen Teil ein, obwohl es mit dem Tathergang nicht viel zu tun hatte. Anfangs war ich darüber recht verwundert und es war mir nicht klar, wohin das führt. Allerdings finde ich diese Themen allgemein spannend und oft auch emotionsgeladen, sodass es mich nicht weiter gestört hat, dazu die Ausführungen der Autorin zu lesen. Spannend hat Elvira Nüchtern auch die Beziehung der Geschwister Martha und Oliver gezeichnet. Olivers Handlungen erscheinen für einen Außenstehenden ungerecht und egoistisch, doch aus seiner Sicht kam er immer zu kurz bei den Eltern und ist jetzt dran.


Die Ermittlerin, Irene Katz wird als kluge und gestandene Frau, die eine Schwäche für Gin und gediegenen Autos hat, beschrieben. Sie nimmt ihren Job als Kommissarin sehr ernst und vertraut auf ihr Bauchgefühl.


Auch die Schilderungen der anderen Figuren haben mir gut gefallen, obwohl mir da an einigen Stellen Ecken und Kanten gefehlt haben. Alle waren sie liebevoll und sympathisch. Da wäre vielleicht etwas Reibung durch widersprüchliche Handlungen spannend gewesen.


Elviras Schreibstil ist flüssig und auf das Wesentliche reduziert. Szenen werden nicht von ausschweifenden Beschreibungen überfrachtet. Viele Erläuterungen werden über die Dialoge den Lesenden vermittelt. So bekam ich zwar einen guten Einblick in die Geschichte, aber die Dialoge selbst wirkten dadurch etwas verkrampft. Die Figuren haben über Dinge gesprochen, die sie selbst wussten und diese nur für den Leser wiederholten. Ein echter Dialog würde so wohl nicht ablaufen.


Zusammenfassend ist "Schierling und Gin Tonic" von Elvira Nüchter ein gelungener Roman, der sich auf mögliche Lösungen alltäglicher Probleme fokussiert. Dabei spielt die Dynamik der verschiedenen Beziehungen der Figuren eine wichtige Rolle und trägt tatsächlich mehr zur Spannung bei als die Ermittlungen im Giftmord. Zum Schluss nimmt die Geschichte deutlich an Tempo zu und es Entwickelt sich sogar noch zu einem Thriller. Von mir gibt es eine Leseempfehlung für diesen ungewöhnlichen Kirmi.


Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde dadurch nicht beeinflusst!

 


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